Röderau - Geschichte des Ortes

Röderau erstreckt sich auf einem Uferwall am Rande der Niederterasse. Dieser sandige Höhenzug begleitet einen alten Elbarm, der von Moritz bis Gohlis den heute fast rechtwinklig verlaufenden Elbbogen verkürzte. Er gehört zur 276 ha (1900) großen Flur, die früher in Gewanne und Blockgewanne eingeteilt war.

Die Röderauer Gemarkung ist reich an urgeschichtlichen Fundstellen. Nordwestlich des Ortes und westlich der Eisenbahn wurde in einer Sandgrube ein großer Verwahrfund mit frühbronzezeitlichen goldenen Noppenringen sichergestellt. Zu ihnen gehörte als Behälter aller Metallgegenstände ein Aunjetitzer Henkelgefäß, das durch einen Tonnapf abgeschlossen wurde. Hinzu kamen Bronzenadeln, Armringe, 1 Armband, 1 Dolchklinge und 24 Bernsteinperlen. Damit erbrachte die Flur von Röderau einen der wichtigsten Aunjetitzer Funde in den sächsischen Bezirken. Im Gleisdreieck nördlich vom Ort konnten Gräber der germanischen Latènenzeit mit vielen Beigaben gesichert werden.

Mitten im Dorf, besonders aber südöstlich des Mittelpunktes der hier strahlenförmig abgehenden Straßen, lagen eine größere Siedlung der jungsteinzeitlichen Brandkeramik und ein Gräberfeld der mittleren und jüngeren Bronzezeit (Lausitzer Kultur), das sich offenbar bis zum Nordosten des Ortes erstreckte. Im Südostteil wurden germanische Siedlungsreste aus der Kaiserzeit festgestellt.

Der Name Röderau lautete 1185/90 Retherowe. Der Flurname Die See Stücken und nasses Wiesengelände im Süden des Dorfes (OBERREIT 1839/40) lassen eine Bildung Redirouwe = Ort in der Aue mit Schilfrohr, Ried als Grundlage des Ortsnamens möglich erscheinen. 1186 wird ein Herrensitz erwähnt. Grundherrschaftliche Rechte übte zunächst das Rittergut in Frauenhain, seit dem 17. Jahrhundert das in Tiefenau über die Bewohner aus.

Die ehemaligen Bauerhöfe ziehen sich als Zeile an der heutigen Hauptstraße hin, die einem alten Elbufer folgt und in früheren Jahrhunderten den oftmaligen Überschwemmungen des Stromes ausgesetzt war. Unter den 5 großen Bauerngütern – zumeist um 1800 erbaute Vier- und Dreiseitgehöfte mit Fachwerkobergeschossen – ragt das ehemalige Brauereigut, Hauptstraße 9, mit hohem Mansardwalmdach, einer Front von 11 Fenstern und Haustürschlußstein, bezeichnet mit dem Monogramm C G K 1815, hervor. Der Brauereibetrieb kam bereits etwa 1920 zum Erliegen. Seit 1953 gehört das Anwesen zur LPG Einheit Röderau, die in einem Anbau, einer früheren Gaststätte, ihren Verwaltungssitz hat. Die im gesamten Gebiet verbreiteten Kumthallen besitzen auch in Röderau dreibogige Vertreter, außer beim Brauereigut noch bei Hauptstraße 2.

Unweit der Bauerngüter, aber mindestens 5 m höher gelegen, erheben sich die Kirche mitten im Friedhof und die unmittelbar angrenzende Schule. Die Gebäude der heutigen polytechnischen Oberschule erfuhren nach 1945 eine Erweiterung und Modernisierung. In der Nähe verfügt die Gemeinde seit 1963 über einen neuen Kindergarten.

Eine erste Kirche ist in Röderau bereits 1186 als Filial des Klosters Riesa gegründet worden. Sie lag auf dem einstigen Dorfanger an einem versumpften Altwasserarm der Elbe. 1787 bis 1789 entstand die jetzige Kirche, die erst 1817 anstelle des 1811 verbrannten freistehenden hölzernen Glockenturmes einen Steinturm erhielt. Seine barocke Haube war durch Kriegseinwirkungen im April 1945 vernichtet und das Kirchendach schwer beschädigt worden. Seit 1952 tragen das Bauwerk selbst wieder ein festes Ziegeldach und der Turm ein flaches Satteldach mit einer kleinen Spitze. Das Kirchengebäude mit seinen hohen Rundbogenfenstern besitzt einen rechteckigen Grundriß mit einem dreiseitigen Ostabschluß, an dem noch die niedrige Sakristei angebaut ist. Der breite Kanzelaltar von 1787 befindet sich an der Ostwand des Chores.

Auf dem Friedhof rings um die Kirche fallen einige klassizistische Grabdenkmäler auf. Ein Durchbruch in der südlichen Friedhofsmauer bietet von einer halbkreisförmigen Bastei eines Ehrenmales für die Gefallenen des ersten Weltkrieges aus einen weiten Rundblick über die Elbaue nach Riesa.

An die Baugruppe mit Kirche und Schule sowie an die Gehöftzeile schließen sich nach Norden Reihen von kleinen Wohnhäusern an, die bis an die Eisenbahnlinie Dresden-Riesa und darüber hinaus bis zum Röderauer Bahnhof an der Strecke Riesa-Berlin zu verfolgen sind. Die Bebauung setzte verstärkt ein, nachdem im nahen Gröba und in Riesa Betriebe Verdienstmöglichkeiten boten. Röderau entwickelte sich seither zu einer Arbeiterwohngemeinde. Unterbrochen werden die Wohnhäuser durch Handwerks- und Gewerbebetriebe, durch das Landambulatorium und durch Verwaltungsstellen. Am Gebäude des Rates der Gemeinde an der Moritzer Straße hält ein Gedenkstein die Erinnerung an 2 Röderauer Antifaschisten wach: ARTUR SCHÖNE (1900 bis 1933) und WALTHER MENZEL /1905 bis 1940). Beim Rat der Gemeinde befindet sich eine Abschrift der ausführlichen Ortschronik, die der 1957 verstorbene Oberlehrer ALFRED STAHR erarbeitet hat.

Quelle:
"Werte unserer Heimat" – Heimatkundliche Bestandsaufnahme in der DDR, Band: Um Oschatz und Riesa, Akademie-Verlag Berlin, 1977

Die gleiche o. g. Quelle enthält eine Karte, die die Sinnlosigkeit der Projektierung des Wohn- und Gewerbegebietes Röderau-Süd, das von der Jahrhundertflut im August des Jahres 2002 zerstört und danach zurückgebaut wurde, dokumentieren kann.

Das Wohngebiet befand sich zwischen Röderau und dem Ortsteil Prommnitz. Auf der dargestellten Karte rechts neben der Eisspitze zwischen Röderau und Prommnitz.

Als Kind habe ich zwei oder drei Frühjahreshochwasser erlebt, bei denen der mit "c" bezeichnete alte Elbarm von Gohlis her bis an das auf der Karte untere Ende von Röderau mit Wasser gefüllt war. Das Wasser der Elbe stand damals zwischen Moritz und Prommnitz einen knappen Meter unter der Dammkrone. Im Jahr 2002 brach der Elbdamm zwischen Prommnitz und Moritz.